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Gedichte  von Lisa
Lisas Tagebuch 1945-46
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Hochzeit -  4. Juni 1959

Das wohl schönste Gedicht über die Ehe von Lisa und Herbert ist dieses:            

Juli 1983

Stoße mich an allen deinen Kanten
Wenn du da bist und nicht irgendwo.
Denn von allen meinen Wahlverwandten
Macht mich keiner so wie du von innen froh. 

Oft, wenn ich an deinen Nerven säge,
träumst du dich in den Befreiungstraum,
flüchtest von mir fort in dein Gehege;
hat zum Glück doch jeder seinen Raum

aber nächtens, wenn die Lichter schlafen,
deckst du mich mit beiden Händen zu,
und ich kuschel mich im Hafen
unserer Verbundenheit zur Ruh.


Lisa ist gebürtige Dresdnerin. In Erinnerung an ihre Stadt schrieb sie folgendes Gedicht:

                                        Turmuhr 

                                   Standest in den Bombennächten still,
                                   schwer nur lerntest du das Wiedergehen;
                                   als dein Glockenspiel ins Dunkel fiel,
                                   hast du stumm dem Sterben zugesehen.

                                   Reglos hat dein Zifferblattgesicht
                                   rauchgeschwärzt im Morgendunst gestanden;
                                   lange rührten sich die Zeiger nicht,
                                   ehe sie ihr Gleichmaß wiederfanden.

                                   Manchmal steigen Ängste in mir auf,
                                   etwas könnte dich für immer fällen;
                                   manchmal sehe ich zu dir hinauf,
                                   um die Uhr am Handgelenk zu stellen.


Nach der Wende schrieb Lisa, wenn sie Wut hatte, politische "Gebrauchsgedichte", die keinen Anspruch auf Literatur haben. "Es musste einfach aus der Feder", pflegte sie dann zu sagen. Hier eine Kostprobe, geschrieben nach Schröders Wahlsieg:

L i e b k n e c h t  ?                                                                     

Liebknecht? Wer ist das gewesen?                                                                
Ich lieb mir den Schröder seit
der, wahrhaftig auserlesen,
sich auch kleidet für die Spesen.
Bomben? Nur für Menschlichkeit!
Liebknecht? Wer weiß noch den Namen?
Scharping sagt mir da schon mehr;
Habe noch sein Bild im Rahmen
jener, die nie Waffen nahmen.
Gut steht ihm das Militär!
Liebknecht? Da lob ich den Fischer,
der sich mit der Sparte dreht.
Ohne Turnschuh läuft er frischer
und, ich bin mir da ganz sicher,
daß er stolz vor'm Spiegel steht.
Liebknecht? Den kannst du vergessen,
hab längst einen andern lieb.
Clinton wahrt meine Int'ressen
und ich bin auf Bill versessen,
seit er's mit der Moni trieb!
                                           K a s t a n i e n
 
Ihr fallt herunter nach der Sommerzeit.
Die grüne Haut, vom Tiefensturz zerspellt, 
gibt eure glänzend satten Früchte frei.

Ihr stürzt und fallt aus eurem Stachelkleid,
und Kinder kommen, um euch aufzulesen.
Ich sehe zu. Der Sommer ist vorbei.

Ich bücke mich, nehm mit Gelassenheit
die glatte reife Frucht, die braune,
in meine Streichelhand und staune,
daß sich's noch anfühlt wie zur Jugendzeit. 
                       



Spätsommer

Der späte Sommer macht die Luken dicht,
die Spinnen spinnen im Septemberlicht
ein Abschiedskleid.
Die Rose an der Wand vom grauen Haus
zieht ohne Scham die letzten Blätter aus.
's ist an der Zeit.
                                                                                                                                                                   Bald schnurrt die Katze sich am Ofen ein,
und auch die Maus wird nicht so fruchtbar sein,
wie sie es war,
als ihr das Feld vom Körnerregen gab
und ich den Sonnentag verschlafen hab
in diesem Jahr.

Was soll's, es ist der letzte Sommer nicht.
Im Zimmer meiner Freunde brennt noch Licht;
ich geh hinein.                                                                                                                                     Wir reden über das, was war und ist,
und von der Liebe, die man nie vergißt,
und trinken Wein. 


 

R e v u e 

Als sie begann, ihr Leben zu entsüßen,       
die Sahnehäubchen hatte sie gegessen, 
 ließ sie die Feinde von den Freunden grüßen         
und ihren Blutdruck einmal täglich messen.
 
Als sie begann, den andern zuzuhören,
den Überfluß aus ihrem Schrank zu räumen,
da durften sie die Kinder wieder stären,
und sie vernahm das Rauschen in den Bäumen.
 
Als sie begann, die Dinge loszulassen,
an denen sie ein Leben lang gehangen,
bekam sie all das andere zu fassen,
und hat noch einmal einfach angefangen. 


Bei Lisa wurde, als sie 75 Jahre alt war, Parkinson diagnostiziert. Sie litt sehr unter der Krankheit, versuchte aber, dagegen "anzuschreiben":                  

                                                          Es naht der Tag

Es naht der Tag,
an dem ich nur noch warte,
mein Fuß nicht mehr gehorcht, sag ich ihm: geh!
Es naht der Tag, der unerbittlich harte,
an dem ich starr auf einer Stelle steh.

Es naht der Tag,
an dem ich nicht mehr springe.
Wo blieb nur meiner Schritte leichter Tritt,
mit dem ich ach so gerne zu dir ginge.
Nun geht die Angst in meinen Schritten mit.

Es naht der Tag
im Fluchen wie im Flehen,
drum laß uns in der letzten Nacht davor
noch einmal in das Land der Träume gehen.
Wenn ich versage, trage mich durchs Tor.
                           
                    

                                                                                                                                                      
                      Weitere Gedichte folgen bald!


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